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Am 17. November 2006 standen Frau
Rotraud Engelhardt und Herr Thomas Eckerle zu Fragen der Eltern Rede und
Antwort. Nachfolgend einige Auszüge dieses Gesprächs, die vielleicht Anlaß zu
weiteren Diskussionen (vorzugsweise im Forum) geben
könnten.
Im Text sind Hinweise in der Form "[Diskussion hierzu]" nach einigen Textpassagen angegeben. Bei Anklicken führen sie zu einer Diskussion der entsprechenden Passage im Forum. Weitere Diskussionsbeiträge sind gerne gewünscht. Frau Engelhardt ging vor allem
auf Möglichkeiten ein, wie Mutismus (Verschlossenheit, Kommunikationsblockade)
und ähnliche Phänomene, die gehäuft bei Hochbegabten (HBs) auftreten können,
überwunden werden können.
Ebenso wie sie umriss auch Herr
Eckerle die Grundzüge seiner Vorgangsweise und erläuterte, wann und wie
Intelligenztests sinnvoll und angebracht sind. Neuere Bestrebungen zielten
darauf ab, für Personen neben der Intelligenz als solcher weitere Parameter wie
z.B. Persönlichkeitsstruktur, Leistungsfähigkeit, Widerstandsfähigkeit oder
auch Führungsstärke zu ermitteln, da Intelligenz allein (was immer man darunter
verstehen mag) für eine erfolgreiche Bewältigung des Alltags nicht hinreichend
sei.
Ein
zentrales Problem vieler hochbegabter Kinder sei nicht die Begabung an sich,
sondern vielmehr die chronische Unterforderung in der Schule und
anderswo. Dies äußere sich in emotionalen Auffälligkeiten wie aggressivem
Verhalten und könne u.U. bis zur völligen Verweigerungshaltung führen. Manche Familien bemerkten eine Aggressivität
des Kindes gerade im häuslichen Bereich (z.B. unmittelbar nach dem
Schulbesuch). In der Schule hingegen fiele keine besondere Aggressivität auf. Laut
den Experten sei dies eigentlich ein positives Zeichen. Es zeige, dass das Kind
sich zu Hause sicher und geborgen fühle. Die Aggressivität selbst werde durch
verschiedene Stressoren ausgelöst. Beispielhaft wurden Unterforderung und
Mobbing genannt. Das Thema Schule als solches könne auch belastet (und damit
Stressor) sein – die bloße Erwähnung von „Schule“ bringe dann das „Fass zum
überlaufen. [Diskussion hierzu]
Zum Abbau des Stresses gebe es
mehrere Strategien. Angeschnitten wurde: Man solle die Kinder selbst in der Kommunikation
„fit machen“, d.h. ihnen vermitteln, wie sie Ihre Anliegen optimal an Lehrer
und Mitschüler kommunizieren. Viele Kinder realisierten auch nicht, wie sie
sich selbst den Unterricht durch Nicht-Teilnahme langweilig machten. In einigen
Fällen habe es geholfen, eine Regel einzuführen, dass das Kind sich mindestens in jeder Stunde 5 mal melden
solle. Dabei müsse aber direkt klar gestellt werden, dass es nicht erwarten
darf, auch jedes Mal dran genommen zu werden (sonst ist das
Enttäuschungspotential wieder groß).
Den Kindern solle auch vermittelt
werden, dass Teilnahme am Unterricht durchaus auch das Ansehen in der Gruppe
(Klasse) stärken kann. „Einen Lehrer
ins Gespräch zu verwickeln, entspannt die ganze Klasse“ – was oft auch zu
positiven Reaktionen der anderen Schüler führe.
Hingewiesen wurde auf die
„Scheinintegration“ [Diskussion] : dabei ist nicht das Kind aufgrund seiner Person in der
Gruppe anerkannt, sondern lediglich in Bezug auf die Funktion, die es
übernimmt. Beispiel: „xxx ist ein toller Fußballer, ohne seine Tore würden wir
verlieren“ – dies ist dann kritisch, wenn über die Person von xxx nichts
berichtet werden kann. Trotz offensichtlich erscheinender Integration kann ein
solches Kind einsam sein.
Probleme
werden auch dadurch verursacht, dass HBs häufig Aussagen zu ernst nehmen und
sich daher schnell verletzt fühlen. Die Redensart „Pack schlägt sich, Pack
verträgt sich“ drückt schön aus, wie Kinder normalerweise Rangeleien
ausfechten. Werden auch kleinere Rangeleien komplett ernst genommen, kann das
zu dauerhaft gestörten Freundschaftsverhältnissen führen [Diskussion].
Problematisch kann es für HBs
auch sein, wenn Lehrer nicht erklären, wie genau sie Leistung bewerten (was sie
also konkret vom Kinder erwarten). Herr Eckerle nannte folgendes Beispiel: Der
Lehrer sagt „Es wäre schön, wenn Du ausführlich schreibst“. Das Kind gibt
darauf hin einen sehr kurzen Text ab. Es wundert sich, dass dieser schlecht
bewertet wird. Das Missverständnis lag darin, dass die Formulierung „es wäre
schön“ nicht als höflich, sondern als konkrete Anweisung betrachtet wurde. Aus
Sicht des Kindes wäre ein ausführlicher Test demnach zwar „schön“ gewesen, aber
für die Bewertung ansonsten irrelevant. Besser verständlich wäre die Aussage
„schreibe bitte einen ausführlichen Text“ gewesen. Dieses Beispiel zeigt auch
auf, dass selbst bei bester Absicht Missverständnisse auftreten können.
Ein großes Thema war natürlich,
wie man in den Schulen speziell auf HBs eingehen könnte. Hr. Eckerle betonte
insbesondere das hessische Modell, das die Erstellung individueller Förderpläne
für alle Schüler zwingend vorsieht; dadurch würde in den Schulen der
Verpflichtung zur sogenannten Binnendifferenzierung (der auf den individuellen
Schüler angepassten Förderung) eher nachgekommen. Einigkeit herrschte darüber,
daß die Qualität des Unterrichts stark von der Lehrperson abhängt und erst in
zweiter Linie von den äußeren Rahmenbedingungen. Charakteristisch für HB seien
desweiteren die hohe soziale Sensibilität, die sich z.T. in differenzierten
Rollenspielen äußern könnten (Schule brav und angepaßt, zu Hause wild und
aggressiv oder umgekehrt.
Wie bei anderen Kindern auch,
seien für die Kinder als Orientierungshilfen klare Regeln erforderlich,
Autoritätspersonen könnten Sicherheiten vermitteln. HBs zeigten häufig einen
ausgeprägten Drang zu Perfektionismus und überlegten z.T. vorab, was denn alles
schief gehen könnte. Konsequenzen für das eigene Verhalten würden allein aus
der Beobachtung der Umgebung gezogen, und Äußerungen wie ’Du brauchst nicht
immer zu allem Stellung zu nehmen’ könnten u.U. ein zunehmendes Verstummen nach
sich ziehen. Immer dann, wenn Regeln nicht klar ersichtlich wären, könnten
Unsicherheiten auftreten. Dies betreffe auch Regeln, die zwar klar, aber nicht
ausreichend begründet seien. Ähnliche Probleme ergäben sich, wenn die Regeln
zwar klar vorgegeben seien, deren Nichtbeachtung aber ohne Konsequenzen bliebe.
Kindern, die eine unnötig große
Ängstlichkeit zeigen, kann nach Erfahrung von Fr. Engelhardt und Hr. Eckerle
geholfen werden, in dem man ihnen Sicherheit und Erfolgserlebnisse vermittelt.
Dazu gehöre z.B. die Frage, was den schlimmstenfalls passieren könne. Die
Vermittlung von Erfolgserlebnissen muss authentisch sein – überschwängliches
Loben ist damit nicht gemeint. Das Kind muss also (objektiv) selbst einen
erheblichen Anteil an der Erzielung des Erfolges haben. Unehrliches Lob wird
durchschaut. Kinder projezieren die Sorgen der Eltern auch oftmals auf sich
zurück. Den Eltern sei insofern ein Überdenken ihres eigenen Handelns und ihrer
eigenen Wahrnehmung empfohlen. [Diskussion]
Die Lücke zwischen
Perfektionismus und Angst könne oft durch die Klärung des „Wie?“ geschlossen
werden. Dabei seien dem Kind Methoden zu vermitteln, wie es die (selbst)
gesteckten Ziele erreichen kann [Diskussion].
Viele hochbegabte Kinder schauen
sich z.B. Bewegungsabläufe bei anderen ab und „können es dann einfach“. Als
Beispiel wurde das Laufen lernen genannt. HBs lassen oft die Krabbelphase
ausfallen (oder sie ist extrem verkürzt). Sie verlieren hierdurch jedoch die
Erfahrung von überbrückbaren Misserfolgserlebnissen sowie die Fähigkeit, damit
produktiv umzugehen. Frau Engelhardt ging vor allem
auf Möglichkeiten ein, wie Mutismus (Verschlossenheit, Kommunikationsblockade)
und ähnliche Phänomene, die gehäuft bei Hochbegabten (HBs) auftreten können,
überwunden werden können.
Ebenso wie sie umriss auch Herr
Eckerle die Grundzüge seiner Vorgangsweise und erläuterte, wann und wie
Intelligenztests sinnvoll und angebracht sind. Neuere Bestrebungen zielten
darauf ab, für Personen neben der Intelligenz als solcher weitere Parameter wie
z.B. Persönlichkeitsstruktur, Leistungsfähigkeit, Widerstandsfähigkeit oder
auch Führungsstärke zu ermitteln, da Intelligenz allein (was immer man darunter
verstehen mag) für eine erfolgreiche Bewältigung des Alltags nicht hinreichend
sei [Diskussion]. Wir bedanken uns noch einmal für die ausführliche
und detaillierte Beantwortung individueller Fragen.
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