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Im Text sind Hinweise in der Form "[Diskussion hierzu]" nach einigen Textpassagen angegeben. Bei Anklicken führen sie zu einer Diskussion der entsprechenden Passage im Forum. Weitere Diskussionsbeiträge sind gerne gewünscht. Frau Engelhardt ging vor allem auf Möglichkeiten ein, wie Mutismus (Verschlossenheit, Kommunikationsblockade) und ähnliche Phänomene, die gehäuft bei Hochbegabten (HBs) auftreten können, überwunden werden können. Ebenso wie sie umriss auch Herr Eckerle die Grundzüge seiner Vorgangsweise und erläuterte, wann und wie Intelligenztests sinnvoll und angebracht sind. Neuere Bestrebungen zielten darauf ab, für Personen neben der Intelligenz als solcher weitere Parameter wie z.B. Persönlichkeitsstruktur, Leistungsfähigkeit, Widerstandsfähigkeit oder auch Führungsstärke zu ermitteln, da Intelligenz allein (was immer man darunter verstehen mag) für eine erfolgreiche Bewältigung des Alltags nicht hinreichend sei. Ein zentrales Problem vieler hochbegabter Kinder sei nicht die Begabung an sich, sondern vielmehr die chronische Unterforderung in der Schule und anderswo. Dies äußere sich in emotionalen Auffälligkeiten wie aggressivem Verhalten und könne u.U. bis zur völligen Verweigerungshaltung führen. Manche Familien bemerkten eine Aggressivität des Kindes gerade im häuslichen Bereich (z.B. unmittelbar nach dem Schulbesuch). In der Schule hingegen fiele keine besondere Aggressivität auf. Laut den Experten sei dies eigentlich ein positives Zeichen. Es zeige, dass das Kind sich zu Hause sicher und geborgen fühle. Die Aggressivität selbst werde durch verschiedene Stressoren ausgelöst. Beispielhaft wurden Unterforderung und Mobbing genannt. Das Thema Schule als solches könne auch belastet (und damit Stressor) sein – die bloße Erwähnung von „Schule“ bringe dann das „Fass zum überlaufen. [Diskussion hierzu] Zum Abbau des Stresses gebe es mehrere Strategien. Angeschnitten wurde: Man solle die Kinder selbst in der Kommunikation „fit machen“, d.h. ihnen vermitteln, wie sie Ihre Anliegen optimal an Lehrer und Mitschüler kommunizieren. Viele Kinder realisierten auch nicht, wie sie sich selbst den Unterricht durch Nicht-Teilnahme langweilig machten. In einigen Fällen habe es geholfen, eine Regel einzuführen, dass das Kind sich mindestens in jeder Stunde 5 mal melden solle. Dabei müsse aber direkt klar gestellt werden, dass es nicht erwarten darf, auch jedes Mal dran genommen zu werden (sonst ist das Enttäuschungspotential wieder groß). Den Kindern solle auch vermittelt werden, dass Teilnahme am Unterricht durchaus auch das Ansehen in der Gruppe (Klasse) stärken kann. „Einen Lehrer ins Gespräch zu verwickeln, entspannt die ganze Klasse“ – was oft auch zu positiven Reaktionen der anderen Schüler führe. Hingewiesen wurde auf die „Scheinintegration“ [Diskussion] : dabei ist nicht das Kind aufgrund seiner Person in der Gruppe anerkannt, sondern lediglich in Bezug auf die Funktion, die es übernimmt. Beispiel: „xxx ist ein toller Fußballer, ohne seine Tore würden wir verlieren“ – dies ist dann kritisch, wenn über die Person von xxx nichts berichtet werden kann. Trotz offensichtlich erscheinender Integration kann ein solches Kind einsam sein. Probleme werden auch dadurch verursacht, dass HBs häufig Aussagen zu ernst nehmen und sich daher schnell verletzt fühlen. Die Redensart „Pack schlägt sich, Pack verträgt sich“ drückt schön aus, wie Kinder normalerweise Rangeleien ausfechten. Werden auch kleinere Rangeleien komplett ernst genommen, kann das zu dauerhaft gestörten Freundschaftsverhältnissen führen [Diskussion]. Problematisch kann es für HBs auch sein, wenn Lehrer nicht erklären, wie genau sie Leistung bewerten (was sie also konkret vom Kinder erwarten). Herr Eckerle nannte folgendes Beispiel: Der Lehrer sagt „Es wäre schön, wenn Du ausführlich schreibst“. Das Kind gibt darauf hin einen sehr kurzen Text ab. Es wundert sich, dass dieser schlecht bewertet wird. Das Missverständnis lag darin, dass die Formulierung „es wäre schön“ nicht als höflich, sondern als konkrete Anweisung betrachtet wurde. Aus Sicht des Kindes wäre ein ausführlicher Test demnach zwar „schön“ gewesen, aber für die Bewertung ansonsten irrelevant. Besser verständlich wäre die Aussage „schreibe bitte einen ausführlichen Text“ gewesen. Dieses Beispiel zeigt auch auf, dass selbst bei bester Absicht Missverständnisse auftreten können. Ein großes Thema war natürlich, wie man in den Schulen speziell auf HBs eingehen könnte. Hr. Eckerle betonte insbesondere das hessische Modell, das die Erstellung individueller Förderpläne für alle Schüler zwingend vorsieht; dadurch würde in den Schulen der Verpflichtung zur sogenannten Binnendifferenzierung (der auf den individuellen Schüler angepassten Förderung) eher nachgekommen. Einigkeit herrschte darüber, daß die Qualität des Unterrichts stark von der Lehrperson abhängt und erst in zweiter Linie von den äußeren Rahmenbedingungen. Charakteristisch für HB seien desweiteren die hohe soziale Sensibilität, die sich z.T. in differenzierten Rollenspielen äußern könnten (Schule brav und angepaßt, zu Hause wild und aggressiv oder umgekehrt. Wie bei anderen Kindern auch, seien für die Kinder als Orientierungshilfen klare Regeln erforderlich, Autoritätspersonen könnten Sicherheiten vermitteln. HBs zeigten häufig einen ausgeprägten Drang zu Perfektionismus und überlegten z.T. vorab, was denn alles schief gehen könnte. Konsequenzen für das eigene Verhalten würden allein aus der Beobachtung der Umgebung gezogen, und Äußerungen wie ’Du brauchst nicht immer zu allem Stellung zu nehmen’ könnten u.U. ein zunehmendes Verstummen nach sich ziehen. Immer dann, wenn Regeln nicht klar ersichtlich wären, könnten Unsicherheiten auftreten. Dies betreffe auch Regeln, die zwar klar, aber nicht ausreichend begründet seien. Ähnliche Probleme ergäben sich, wenn die Regeln zwar klar vorgegeben seien, deren Nichtbeachtung aber ohne Konsequenzen bliebe. Kindern, die eine unnötig große
Ängstlichkeit zeigen, kann nach Erfahrung von Fr. Engelhardt und Hr. Eckerle
geholfen werden, in dem man ihnen Sicherheit und Erfolgserlebnisse vermittelt.
Dazu gehöre z.B. die Frage, was den schlimmstenfalls passieren könne. Die
Vermittlung von Erfolgserlebnissen muss authentisch sein – überschwängliches
Loben ist damit nicht gemeint. Das Kind muss also (objektiv) selbst einen
erheblichen Anteil an der Erzielung des Erfolges haben. Unehrliches Lob wird
durchschaut. Kinder projezieren die Sorgen der Eltern auch oftmals auf sich
zurück. Den Eltern sei insofern ein Überdenken ihres eigenen Handelns und ihrer
eigenen Wahrnehmung empfohlen. [Diskussion] Die Lücke zwischen Perfektionismus und Angst könne oft durch die Klärung des „Wie?“ geschlossen werden. Dabei seien dem Kind Methoden zu vermitteln, wie es die (selbst) gesteckten Ziele erreichen kann [Diskussion]. Viele hochbegabte Kinder schauen sich z.B. Bewegungsabläufe bei anderen ab und „können es dann einfach“. Als Beispiel wurde das Laufen lernen genannt. HBs lassen oft die Krabbelphase ausfallen (oder sie ist extrem verkürzt). Sie verlieren hierdurch jedoch die Erfahrung von überbrückbaren Misserfolgserlebnissen sowie die Fähigkeit, damit produktiv umzugehen. Frau Engelhardt ging vor allem auf Möglichkeiten ein, wie Mutismus (Verschlossenheit, Kommunikationsblockade) und ähnliche Phänomene, die gehäuft bei Hochbegabten (HBs) auftreten können, überwunden werden können. Ebenso wie sie umriss auch Herr Eckerle die Grundzüge seiner Vorgangsweise und erläuterte, wann und wie Intelligenztests sinnvoll und angebracht sind. Neuere Bestrebungen zielten darauf ab, für Personen neben der Intelligenz als solcher weitere Parameter wie z.B. Persönlichkeitsstruktur, Leistungsfähigkeit, Widerstandsfähigkeit oder auch Führungsstärke zu ermitteln, da Intelligenz allein (was immer man darunter verstehen mag) für eine erfolgreiche Bewältigung des Alltags nicht hinreichend sei [Diskussion]. Wir bedanken uns noch einmal für die ausführliche und detaillierte Beantwortung individueller Fragen. |