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rainman
Titel: Hochbegaung und zwischenmenschliche Beziehungen  BeitragVerfasst am: 03.01.2006, 18:34 Uhr



Anmeldung: 10. Nov 2005
Beiträge: 5

Hallo,

ich gebe hier einfach 'mal ein posting aus einem anderen Forum wieder, das mir sinnvoll erscheint und das ich gerne auch hier auf diesen Seiten dauerhaft archivieren möchte.

Es geht um den Text: Zwischenmenschliches Verhalten und Hochbegabung

Das Posting selbst:

Hallo beisammen,

zunächst einmal Dank an alle für die nützlichen Kommentare. Ich antworte auf diesen Eintrag hier, weil ich dazu am meisten zu schreiben habe.

Aber zunächst einmal an Alle: ich habe den Text ja gerade deshalb zur Diskussion gestellt, weil ich selbst nicht so recht zufrieden mit ihm bin. So eine Diskussion hilft immer, die eigenen Gedanken zu ordnen. Ich erkenne auch schon ein Grundproblem: ich verwende allzu sorglos den Begriff "die Hochbegabten", so als ob es da keine Unterschiede gäbe. Das ist natürlich Quatsch. Jeder Mensch ist anders, und so lassen sich sicherlich nicht alle HB über einen Kamm scheren. Ich denke aber dennoch, dass einiges für eine größere Gruppe zutreffen kann (aber eben für viele nicht zutreffen muss). Das ist schon einmal etwas, was ich überarbeiten muss.

Nun zu etwas Widerspruch von mir (auf dass sich eine rege Diskussion entwickle Wink).
Gast schrieb:

Zitat:

das halte ich mit Verlaub für sehr gewagt. Denn je nach dem,
wie die Sozialisation des Kindes durch Familie und Eltern
vonstatten ging, kann auch ein hb Kind lebenslang "naiv" von
jedem x-beliebigen intellektuell weit unterlegenen
"Bauernfänger" hereingelegt werden - ebenso wie umgekehrt.


Da stimme ich zu - siehe oben.

Zitat:

Ich denke auf keinen Fall, dass das eine was mit dem anderen
zu tun hat. Es ist eine reine Frage der Sozialisation, nicht
der Intelligenz.


Hier aber nicht. Es gibt eine große Vielzahl von fundierten Publikationen in der Empathie in Verbindung mit Hochbegabung gebracht wird. Da sich Bücher so schlecht online zitieren lassen, hier einmal eine Internet-Quelle

http://grundschule.bildung.hessen.de/Pa ... Heft_2.pdf

Einfach nach Empathie suchen, z.B. Seite 29 Mitte.


Zitat:

siehe auch hier ein Aufsatz über den Erwerb von Empathie bei
Kindern:

http://www.hausarbeiten.de/faecher/haus ... 17720.html

Ein zentraler Satz daraus lautet:
"...Selbstsichere und bindungssichere Kinder sind nicht
ständig mit sich selbst und ihrer eigenen
Bedürfnisbefriedigung beschäftigt und können deshalb
aufmerksamer auf die Bedürfnisse anderer reagieren. ..."


Ich weiss nicht, ob das wirklich der zentrale Satz ist. Es heisst dort ja beispielsweise auch

####
Das Verstehen der Emotionen anderer Personen, das mit ***kognitiven Entwicklungen (Denkvorgängen/Denkleistungen) einhergeht*** fördert empathische Reaktionen und kann als eine Voraussetzung für Empathie gesehen werden.
####

(mehr weiter unten)

Zitat:
Selbst- und Bindungssicherheit hat wiederum nur indirekt
etwas mit Intelligenz zu tun, denn es ist die Intelligenz der
Eltern, die insofern auf das Kind ausstrahlt, indem die
Eltern ihrerseits selbstsicher genug sind, um sich vom Urteil
anderer Menschen unabhängig zu machen und dies ihrem Kind in
der Erziehung vermitteln. Zu dieser Eigenschaft gehört ohne
Frage Intelligenz, aber keine Hochbegabung. Ebensowenig wie
Zeit und Zuwendung in der Kindererziehung nicht an die
Intelligenz gebunden ist, sondern an die Einstellung zum Kind
bei elterlicher Zurückstellung eigener Egoismen.


Ich stimme im Prinzip zu - allerdings müssten viele Hochbegabte (entsprechende Förderung vorausgesetzt) in Bereichen "die mit Intelligenz zu tun haben" Vorteile besitzen. Ich will ja gar nicht bestreiten, dass Normalbegabte gleiches erzielen - genau so wie sie auch gleich gut Rechnen, Schreiben sonst was können. Ich vermute nur, dass HBs hier ggf leichter Lernen/Erkennen können.

So, und nun noch einmal zu meiner Vermutung: (viele) Hochbegabte denken anders und vernetzter. Es laufen quasi immer Denkvorgänge im Hintergrund ab, die Wissen und Ideen schneller Verfügbar machen. Das haben mir viele Hochbegabte bestätigt und das finde ich so auch in der Literatur wieder. Ich habe dies einmal unter

http://www.hochbegabt.cc/index.php?modu ... enken.html

zusammengefasst. Wie gesagt, das gilt sicherlich wieder nicht für alle Hochbegabte, aber sehr viele haben mir die Beschreibung mittlerweile bestätigt. Da scheint also etwas dran zu sein.

Wenn der Hochbegabte nun aber permanent (und teilweise unwissentlich) Informationen aus seiner Umgebung aufnimmt und diese auch bewertet (auch teilweise unbewusst), ist es dann nicht zu vermuten, dass diese Fähigkeit auch in Bezug auf zwischenmenschliche Kommunikation eingesetzt wird. Es wird ja auch geschildert, dass viele HBs sehr gute Beobachter sind. Wenn ich das so betrachte, dann vermute ich eben, dass dies in manchen Situationen durchaus zum "Durchschauen" des Mitmenschen hilfreich sein kann. Das Problem an der Sache ist nun aber, dass die "genauere Erkenntnis" nicht unbedingt die "bessere Erkenntnis" ist, da diese Erkenntnis "soziale Schutzmechanismen" (ich nenne das jetzt einfach 'mal so) ausser Kraft setzt. Das wäre zumindest für mich eine einleuchtende Erklärung und würde etwas Licht in das Dunkel einiger Probleme bringen. Dies mag in besonderem Falle für HB Kinder, gerade jüngere gelten, vor allem wenn die kognitive und emotionale Entwicklung asynchron abläuft.

Die Schlußfolgerung daraus ist auch interessant: wenn das wirklich eine der Problemursachen ist, so müsste man diese in den Griff bekommen, indem man als Gegenüber seine Handlungen und Aussagen konsequenter überprüft. Auch müsste es dem HB helfen, wenn man ihm die ablaufenden Mechanismen erklären kann. Wenn es sich wirklich um logische Folgen handelt, so stehen die Chancen bei vielen (speziell logisch orientierten) HBs vielleicht ganz gut, Verständnis für des Verhalten Ihrer weniger begabten Mitmenschen zu gewinnen - und ihnen damit letztlich das Leben zu erleichtern. Wenn ich das nun so schreibe, könnte das vielleicht auch eine "Kur" für Niedergeschlagenheit wegen verletztem Gerechtigkeitsempfinden sein (wenn die Verletzung auf eben solchen Missverständnissen beruht).
 
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rainman
Titel: Hochbegaung und zwischenmenschliche Beziehungen  BeitragVerfasst am: 05.01.2006, 11:29 Uhr



Anmeldung: 10. Nov 2005
Beiträge: 5

Und noch ein Posting, dass ich auch hier archivieren möchte:
--------------
MichaelaM schrieb:

Zitat:

du hattest in dem Text HBs ja eher als Leute beschrieben, die
mit den normalen Konventionen des menschlichen Umgangs nicht
zurechtkommen. Die emotional so ein bißchen unterausgestattet
sind und deshalb alles nur über die logische Schiene
erschließen können. Was dann wieder dazu führt, dass es mit
Zwischenmenschlichem nicht klappt.


Da muss ich wohl auch in dieser Beziehung nacharbeiten Wink Ich meine eigentlich nicht, dass die Beschriebenen emotional unterausgestattet sind (auch das wird es natürlich geben). Ich meinte zu sagen, dass sie normal ausgestattet sind, allerdings durch die höheren kognitiven Fähigkeiten in der Lage sind, die "weich verpackten" Äusserungen anderer besser zu entschlüsseln, was dann zu Problemen führen **kann** (dieses "kann" habe ich so nicht ausgeführt).

Zitat:

Zunächst mal halte ich es nicht für machbar irgendeine
Eigenschaft an die HB zu koppeln. Das ist dünnes Eis. Nach
meiner Erfahrung gibt es nichts, was es nicht gibt. Also HBs
jeder Ausprägung. Das Bild, das wir haben, wird so ein
bißchen geprägt von denen, die nicht zurecht kommen.
Vielleicht sollte man also eher sagen: Wenn man hb ist und
gleichzeitig folgende Eigenschaften aufweist, ist es recht
wahrscheinlich, dass man Probleme bekommt.


Ich stimme Dir vollkommen zu. Ich muss einen Abschnitt einfügen der genau das sagt: "Wenn man hb ist und gleichzeitig folgende Eigenschaften aufweist, könnte es sein, dass dies eine mögliche Ursache ist". Wie es jetzt ist, ist es viel zu allgemein und gibt vor, die gesamte Gruppe zu beschreiben - was natürlich gar nicht geht...

Zitat:

Wenn ich jetzt mal die HBs zum Maßstab nehmen würde, die ich
im HB-Internat kennengelernt habe, das war die massivste Form
bisher, würde ich sagen, dass das fast ausschließlich Jungen
sind, unordentlich, unpünktlich, unkonzentriert, arrogant,
tief unglücklich, zu keiner Anstrengung bereit, ständig mit
allen im Streit, vor allem auch untereinander, egoistisch, zu
keinerlei Engagement für die Allgemeinheit bereit, heftig
Drogen missbrauchend, teilweise sexuell verwahrlost, zu
Selbstverletzungen und psychischen Störungen jeder Art
neigend, an nichts wirklich interessiert, exzessiv indizierte
Computerspiele spielend, zum Teil rechtsradikal, zu massivem
Vandalismus neigend.


Das ist ein schönes Beispiel, warum Verallgemeinern gefährlich ist. Sehr eindrucksvoll, gefällt mir Wink

Zitat:

Mit der anderen Denkweise habe ich auch ein Problem. Wie kann
jemand schildern, wie anders er denkt? Er weiß ja nicht, wie
es die andern tun. Warum sollte ab einem bestimmten,
willkürlich festgelegten IQ-Wert das Gehirn anders
funktionieren?


Diese andere, vernetzte, Denkweise ist auch viel in Literatur beschreiben. Natürlich kann man auch solchen Untersuchungen skeptisch gegenüber stehen (sollte man auf jeden Fall). Die Häufigkeit der Nennung ist aber auffallend. Ich habe Ähnliches auch in Diskussionen gehört, zuletzt online (und damit recherchierbar Very Happy) hier

http://forum.mysnip.de/read.php?10520,79630,82765

Zur Frage, wie man erkennen kann, ob man anders denkt? Nun, ich denke, das geht schon. Und zwar indem man sich gegenseitig schildert, wie man seine eigenen Denkprozesse erlebt. Jetzt muss man natürlich sagen, dass alle privat geführten Diskussionen hier eine viel zu kleine "Probandenmenge" aufweisen und diese vermutlich auch noch ohnehin gewisse Gemeinsamkeiten aufweisen, also definitiv nicht Repräsentativ sind. Die eigenen Diskussionen und Erkenntnisse stehen aber im Einklang mit der mir bekannten (teils auch Wissenschaftlichen) Literatur. Das läßt die These für mich zumindest sehr wahrscheinlich erscheinen. Zumindest wahrscheinlich genug, um sie als Basis zu verwenden, wenn ich über Probleme im Generellen und deren Lösungsmöglichkeiten nachdenke.

Ich habe übrigens Gestern begonnen das Buch "Die Kunst der Selbstmotivierung" zu lesen. Da geht es zwar überhaupt nicht um HB, aber schon auf den ersten Seiten ist eine interessante Info. Demnach soll ein Großteil unserer geistigen Bewertungsfähigkeiten, Erfahrungen, ... unbewusst und vernetzt ablaufen. Wenn man diesen Abschnitt liest, trifft es ziemlich genau das, was ich in

http://www.hochbegabt.cc/index.php?modu ... enken.html

beschrieben habe. Demnach wäre es aber eben KEINE Denkweise, die Hochbegabten besonders zu eigen ist! Vielleicht nimmt der Hochbegabte sie aber eher bewusst wahr, als der normal Begabte? Ich werde das Thema weiter verfolgen, ich finde es sehr spannend. Ich denke auch, dass hier in der Tat auch wissenschaftlich noch einiger Klärungsbedarf besteht.

Trotzdem halte ich es aber für vertretbar, von gewissen "Arbeitshypothesen" auszugehen. Seit ich diese Dinge aufschreibe, bin ich zwar nach wie vor verwirrt und verunsichert (so wie gerade), gelange aber doch zu einigen Erkenntnissen, wie ich mein HB Kind besser unterstützen kann (und damit meine ich nicht Verwöhnen oder vor "der bösen Welt schützen"). Klar können (und werden;)) sich diese Thesen als falsch herausstellen, aber solange sie gewisse Vorteile bringen... [Analogie: auch Einstein hat bewiesen, dass Newton's Bild der Schwerkraft nicht ganz korrekt war.. Trotzdem benutzen wir in der Praxis auch heute meist die einfacheren Newtonschn Gesetze, weil der Unterschied hier auf Erden für Alltagsdinge irrelevant ist...].
 
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