SmartKids Würzburg

Hochbegabung - Diskussionen und Definitionen - Ängstlichkeit

Alois - 28.11.2006, 14:49 Uhr
Titel: Ängstlichkeit
In diesem Thread wird eine Aussage aus dem Protokoll des Elterntreffens am 17. November 2006 diskutiert:

Zitat:
Kindern, die eine unnötig große Ängstlichkeit zeigen, kann nach Erfahrung von Fr. Engelhardt und Hr. Eckerle geholfen werden, in dem man ihnen Sicherheit und Erfolgserlebnisse vermittelt. Dazu gehöre z.B. die Frage, was den schlimmstenfalls passieren könne. Die Vermittlung von Erfolgserlebnissen muss authentisch sein – überschwängliches Loben ist damit nicht gemeint. Das Kind muss also (objektiv) selbst einen erheblichen Anteil an der Erzielung des Erfolges haben. Unehrliches Lob wird durchschaut. Kinder projezieren die Sorgen der Eltern auch oftmals auf sich zurück. Den Eltern sei insofern ein Überdenken ihres eigenen Handelns und ihrer eigenen Wahrnehmung empfohlen.


Wiederum überhaupt nicht HB-spezifisch, ganz im Gegenteil, HBs haben im Vergleich zu anderen meist häufiger Erfolgserlebnisse, die sie dann aber nicht ausreichend schätzen.
rgerhards - 05.12.2006, 11:45 Uhr
Titel: Re: Ängstlichkeit / Erfolgserleben
Alois hat folgendes geschrieben::
HBs haben im Vergleich zu anderen meist häufiger Erfolgserlebnisse, die sie dann aber nicht ausreichend schätzen.


Ich halte gerade das "die sie aber nicht ausreichend schätzen" für den wichtigsten Teil des Satzes. Um ein Erfolgserlebnis zu haben, muss ich "Erfolg" "erleben". Hierbei ist es irrelevant, ob es sich aus objektiver Sicht um einen Erfolg handelt. Vielmehr ist IMHO ausschließlich die subjektive Einschätzung wichtig. Wenn sich ein Kind nun aber sehr hohe Ziele steckt (Stichwort: Perfektionismus), so kann es mit seinen bescheidenen Anfangserfolgen durchaus unzufrieden sein - und sie sogar als Mißerfolg ansehen. Und das, obwohl man objektiv von einem Erfolg sprechen mag.

Ich meine dabei nicht Situationen, in denen einfach nur "um der Motivation willen" Erfolg atestiert wird, wo tatsächlich keiner vorliegt. Ich meine Situationen, bei denen tatsächlich ein, wenn auch bescheidener, Erfolg vorliegt. Kennzeichen dafür sollte sein, dass also auch wirklich etwas erreicht ist. Nun gibt es aber viele Fälle, wo das gesteckte Ziel nicht in einem "Riesen-Sprung" erreicht werden kann, sondern vielmehr in vielen, kleinen, Einzelschritten erreicht werden muss. Wenn das Kind (oder 'mal allgemeiner gesagt: der Mensch) dann erwartet, unmittelbar das gesteckte Ziel zu erreichen, dann ist er "natürlich" mit den Zwischenzielen nicht zufrieden.

Ich habe dazu auch in der Literatur gelesen, dass die Grundeinstellungen und -erwartungshaltungen eines Menschen im wesentlichen von seinen bisherigen Erfahrungen geprägt werden. Das erscheint mir auch plausibel.

Wenn man dies aber als gegeben hinnimmt, dann kann man allerdigs sehr wohl einen Bezug zur Hochbegabung konstruieren: wenn ein Mensch sehr oft erlebt, dass er seine Ziele mit wenig Mühe und ohne langwierige Zwischenziele erreicht, dann wird das seine Erwartungshaltung entsprechend aufbauen. Gibt er sich dann doch einmal an ein aufwändigeres Ziel, kann es für ihn u. U. sehr unerwartet sein, dieses nicht auf Anhieb zu erreichen. Die Bewältigung von Widerständen und Rückschläge sind nicht als normaler Teil des Prozess auf dem Weg zum Ziel bekannt (oder zumindest erwartet). Ergo werden die Zwischenschritte (sofern überhaupt ausgeführt) auch nicht als Erfolg gewertet, sondern nur als Beweis, dass man das eigentliche Ziel doch nicht erreichen konnte. Wahrgenommen wird also nur der Mißerfolg.

Fazit: allein die subjektive Sichtweise erscheint mir wichtig (an dieser Stelle sie die philosophische Frage erlaubt, ob es so etwas wie Objektivität eigentlich wirklich geben kann - oder nur die Übereinstimmung einer möglichst grossen Anzahl von Subjektivität als Objektivität definiert wird... aber das führt zu weit Wink). Unser Ansatzpunkt muss es daher zunächst sein, diese subjektive Sichtweise zu vestehen, die sich ja u.U. gravierend von unserer subjektiven Sichtweise (die wohlgemerkt nicht zwingend "objektiv" ist) unterscheidet.

Wo ich das so schreibe: die unterschiedlichen subjektiven Sichtweisen, und die mögliche Nicht-Kenntnis der jeweils anderen, können durchaus zu Kommunikationsstörungen zwischen Eltern und Kind führen. Oder, einfacher ausgedrückt: Kind und Eltern reden aneinander vorbei, ohne es überhaupt zu merken...

Rainer
rgerhards - 05.12.2006, 12:02 Uhr
Titel: Re: Ängstlichkeit / Erfolgserleben
Ach, ja, noch ein Nachtrag. Du hattest geschrieben "HBs haben im Vergleich zu anderen Kindern häufiger Erfolgserlebnisse"... Dem widerspreche ich eigentlich. Ich würden den Satz wie folgt formulieren:

HBs erzielen im Vergleich zu anderen Kindern häufiger gute Ergebnisse, die objektiv als Erfolg gewertet werden können. Das HB-Kind nimmt diese jedoch subjektiv statt dessen als Misserfolge wahr, weil es aufgrund vergangener Erfahrungen über überhöhte Erwartungshaltung verfügt.

Dieser Satz ist natürlich auch nicht wirklich gut, denn zum einen müssen HB-Kinder ja nicht wirklich häufiger gute Ergebnisse erzielen (ein Vorurteil) und zum anderen werden ja sicher auch nicht alle sie als Misserfolg wahrnehmen. Letzteres dürfte eher ein Persönlichkeitsmerkmal sein. Aber ich hoffe, die Grundidee des Satzes kommt trotzdem rüber.

Rainer
Alois - 05.12.2006, 18:10 Uhr
Titel: Re: Ängstlichkeit / Erfolgserleben/Zwischenschritte
Da stimme ich weitgehend überein. Ein aktuelles Beispiel aus eigener Erfahrung dürfte in die gleiche Richtung gehen. Da war doch mal vor kurzem eine große Prüfung angesagt zum Können auf dem Musikinstrument. Erst einmal lange nichts, dann echte Panik und Verzweiflung, und dann - nach längerem guten Zureden - die Arbeitsphase, also tägliches Üben, erst noch immer mit einigen Verzweiflungsanfällen ("Das schaffe ich nie") und allmählich mehr und mehr Ruhe und Zuversicht, als er gemerkt hat, daß tatsächlich Fortschritte möglich sind. Besser als je zuvor hat er die geübten Stücke dann schliesslich bei der Prüfung selbst gespielt. Wir waren doch ziemlich erstaunt.

Ich denke, diese Erfahrung war nicht ganz ohne für ihn, sie hat aber sicherlich sehr gut getan. Die Motivation, mit dem Instrument zu spielen, ist natürlich ungemein angewachsen (das hätte natürlich auch anders kommen können). Das Schöne ist m.E. an dieser "Sorte" von Menschen ganz sicher, daß sie sich auch selbst zu Erfolgserlebnissen trainieren können, sie brauchen vielleicht manchmal Ziele, die richtig liegen und deren Erreichbarkeit in Teilschritten möglich ist.

Das Besipiel vorhin ist sicher nicht HB-spezifisch, sagt mir aber, dass die Strategien, Ziele zu erreichen, eventuell bei "Begabten" aufgrund mangelnder Notwendigkeit leichter unterentwickelt bleiben. Strategien, die die Motivation zur Erarbeitung schwierigerer Aufgaben fördern, sind da sicher hilfreich (und zwischendurch auch eine gewisse Unterstützung von aussen). Jeder erklommene Gipfel motiviert neu und steigert die Ausdauer.
rgerhards - 06.12.2006, 15:21 Uhr
Titel: Re: Ängstlichkeit / Erfolgserleben/Zwischenschritte
Alois hat folgendes geschrieben::
Ich denke, diese Erfahrung war nicht ganz ohne für ihn, sie hat aber sicherlich sehr gut getan. Die Motivation, mit dem Instrument zu spielen, ist natürlich ungemein angewachsen (das hätte natürlich auch anders kommen können). Das Schöne ist m.E. an dieser "Sorte" von Menschen ganz sicher, daß sie sich auch selbst zu Erfolgserlebnissen trainieren können, sie brauchen vielleicht manchmal Ziele, die richtig liegen und deren Erreichbarkeit in Teilschritten möglich ist.


Ich persönlich halte "Motivation" zum Schlüssel zur Lösung solcher Probleme *überhaupt*...

Alois hat folgendes geschrieben::
Das Besipiel vorhin ist sicher nicht HB-spezifisch, sagt mir aber, dass die Strategien, Ziele zu erreichen, eventuell bei "Begabten" aufgrund mangelnder Notwendigkeit leichter unterentwickelt bleiben.


Ja, das mag gut sein. Bei mir bleibt immer die Frage, ob es wirklich die (intellektuelle) Begabung ist, oder nicht vielleicht doch eher die Persönlichkeitsstruktur. Richtig ist aber sicherlich, dass die Begabung an vielen Stellen Übung ersetzt. Auch Teilschritte können ausgelassen werden, so dass u.U. die Gliederung eines Zieles in Teilziele gar nicht geübt und als sinnvoll und notwendig erkannt wird.

Alois hat folgendes geschrieben::
Strategien, die die Motivation zur Erarbeitung schwierigerer Aufgaben fördern, sind da sicher hilfreich (und zwischendurch auch eine gewisse Unterstützung von aussen). Jeder erklommene Gipfel motiviert neu und steigert die Ausdauer.


... und damit kommen wir wieder zu Deiner Ausgangsthese zurück, nämlich dass es sich hier nicht um ein primär durch die Begabung verursachtes Problem handelt. Die Problemlage stellt sich sicherlich für (weitgehend) alle Menschen. Unterhalb einer gewissen Intelligenzschwelle mag sich die Fragestellung hinter einem "Schleier der Nicht-Erkenntnis" verbergen - ich würde diese Schwelle aber sehr niedrig ansetzen, und (aus dem Bauch heraus) mindestens um eine Standardverteilung links des Mittelwerts ansiedeln (wenn nicht noch weiter links).

Jetzt, wo ich so darüber nachdenke, gelange ich aber endlich 'mal zu einem Zwischen-Fazit. Ich vertrete seit langem die Meinung, dass alle Probleme mit der Motivation zusammen hängen. Die Motivationsdefizite werden dabei natürlich wieder durch Effekte ausgelöst, die nicht (zwingend) in der Motivation selbst zu suchen sind. Die Ursachen gehen also tiefer. Vielleicht bewirken höhere Begabungen eine größere Anfälligkeit gegenüber einigen dieser Ursachen. Packen wir das Beispiel hier 'mal weiter an:

Ich lese gerade ein Buch, das mir sehr interessant erscheint ["Ermutigung als Lernhilfe", Dinkmeyer, D. und Dreikurs, R., Klett-Cotta]. Der Text stammt bereits aus 1963, erscheint mir aber immer noch aktuell. Leider habe ich es noch nicht komplett durchgelesen. Aber auch so bietet es schon Interessantes:

Dort (S. 34) wird der Vorgang der "tendenziösen Apperzeption" definiert. Die Autoren verstehen darunter "Wir [Menschen] nehmen nur das wahr, was wir sehen möchten.". Ein weiterer Schlüsselsatz für mich:

"Der Mensch wird durch das was er wahrnimmt, und die Art, in der er es wahrnimmt individuell geprägt". Für mich bedeutet das: unsere Erfahrungen (was wir wahrnehmen) bestimmen unsere Einstellung zu den Dingen. Gleichezeitig beinflussen unsere früheren Erfahrungen, aber auch unsere momentane Stimmung, aber auch wieder unsere Wahrnehmung (wie wir es wahrnehmen). Im Ergebnis führt dies zu unserer "subjektiven Wahrheit", die für uns die Realität der Welt darstellt. Die wahrgenommene Realität kann aber von Individuum zu Individuum u. U. sogar gravierend verschieden sein. Kritisch erscheint mir, dass wir nach dem beschriebenen Mechanismus quasi unsere Wahrnehmungen durch den Filter unserer Erfahrungen (die man auch "Vorurteile" nennen könnte) laufen lassen. Einmal gemachte Erfahrungen würden wir somit tendentiell zunächst immer wieder bestärken - wie ein Regelkreis, der sich auf einen eingangs definierten Zielzustand hin bewegt. Entsprechend schwer dürften sich unsere Einstellungen ändern lassen (was ja der Erfahrung in der Praxis durchaus entspricht). Weiter in dem von mir zitierten Buch findet sich dann folgender Satz (S. 35): "Genau so kann man feststellen, dass ein Kind, das bereits falsche Vorstellungen entwickelt hat, sich dauernd in Geschehnisse verwickelt, die seine bereits bestehende Meinung von sich selbst wieder bekräftigen.". Dies erscheint mir ähnlich der Self-fulfilling Prophecy.

Wenn nun ein Kind bereits die Prägung besitzt, dass alle Ziele ohne grossen Aufwand erreichbar sein müssen, dann wird es (meiner bescheidenen Meinung nach) geradezu geschockt sein, wenn dies zum ersten Mal nicht gelingt. Dafür kann man mehrere Erklärungen finden. Entweder das Problem ist zu schwierig, die Herangehensweise ist falsch oder man besitzt eben nicht die Möglichkeiten, die zur Lösung des Problems notwendig sind. Welche der Erklärungsansätze man wählt, dürfte wohl primär in der Persönlichkeitsstruktur des Kindes begründet liegen. Wenn diese aber letztlich im wesentlichen auf den vorherigen Erfahrungen aufbaut, dann kommt natürlich der Bewertung von Aussen in einer solchen Situation eine große Bedeutung zu. Wird dem Kind verdeutlich, dass es die Aufgabe schon lösen kann und nur am Weg arbeiten muss, so wird sich sicherlich ein anderes Bild verfestigen, als wenn dem Kind signalisiert wird, dass es der Aufgabe nun einmal nicht gewachsen sei. Nun wird natürlich (hoffentlich) kein klar denkendes Elternteil (Betreuer, ...) einem Kind letzteres vermitteln. Das kritische ist nur, dass diese Vermittlung ja oft non-verbal und vielleicht meistens sogar unbewusst erfolgt. So kann ein an sich gut gemeintes "Ich mache es Dir schnell" [unausgesprochen: "denn du bist dafür noch zu klein"] genau diese fatale Bild zeichnen. Dies sei nur als Beispiel genannt - die Möglichkeiten zur Entmutigung sind sicherlich manigfaltig.

In diesem Kontext kann ich mir dann auch eine besondere Gefährdung von Hochbegabten vorstellen. Nach meiner Meinung (siehe http://www.smartkidswuerzburg.de/index. ... nsch.html) sind sie eher in der Lage den wahren Aussagegehalt diplomatischer Äusserungen zu erfassen. Im Kontext hier bedeutet das, dass sie wahrscheinlich häufiger ein negatives Feedback bekommen (was sich dann in Folge verstärken würde und somit zu einer immer negativereren Sichtweise führen würde...).

Zwischenfazit: durch das ganz normale Erleben besteht die Gefahr, dass sich in den Kindern ein Bild des "das schaffe ich nicht" bzw. "das ist zu schwer für mich" aufbaut und in Folge verstärkt.

Aus dieser subjektiven Wahrnehmung kann man dann sehr schnell das Motivationsproblem herleiten. Laut Rheinberg haben wir es meiner Meinung nach primär mit einem Wirksamkeitsdefizit zu tun. Die dazu gehörende Frage lautet: "Kann ich das Ergebnis durch meine Aktivität genügend beeinflussen?". Da die Person hier der Meinung ist, dass entweder die Aufgabe zu schwer oder die eigenen Fähigkeiten zu gering sind (was im Endeffekt aufs gleiche raus kommt...) ergibt sich die klare Antwort: "Nein". Damit aber ist das Ausführen der Tätigkeit motivational höchst unsinnvoll und wird nach Möglichkeit vermieden (Ausnahme: fremdkontrollierte Aktivität, aber das will ich hier ausklammern - da wären wir dann bei Hausaufgaben & Co).

(Momentanes) Schlußfazit: die negative Sichtweise (die sich aus Alltagserlebnissen ergeben und sukzessive verstärkt hat) führt letztlich zu einem Motivationsdefizit, das sich hemmend auf die Ausführung eigentlich lösbarer Aufgaben auswirkt.

In der Theorie ist die Lösung nun einfach: wir müssen "nur" die falsche Wahrnehmung korrigieren, dann verschwindet auch das Motivationsproblem (denn nun kann ich ja zu der Ansicht gelangen, dass ich das Ergebnis durch meine Aktivität genügend beeinflussen kann). In der Praxis erscheint mir das aber ein "dicker Brocken". Nicht zuletzt deshalb, weil hier sich tendentiell selbst verstärkende Grundüberzeugungen verändert werden müssen. Schon in recht frühen Jahren dürften die erheblichen Widerstand gegen Änderungen aufweisen. Je jünger ein Kind (Mensch) ist, desto leichter dürften Änderungen erzielbar sein. Das bedeutet natürlich auch, dass man möglichst schon vom Babyalter darauf achten sollte, dass das Kind hinreichende Problemlösungskompetenz (altersangemessen, natürlich) erlangen kann. Insbesondere sollten wir ihm keine Aufgaben abnehmen, die es eigentlich selbst erledigen kann. Auch das ist natürlich leichter gesagt als getan - und unterliegt zu allem Überfluss natürlich wieder der individuellen Wahrnehmung jeden Elternteils (Was ist altersangemessen? Was kann das Kind selbst erledigen?).

Der Weg ist also sicherlich schwierig. Wenn meine Schlußfolgerungen richtig sind, dann wäre es aber lohnend, ihn zu gehen. Denn er könnte letztlich zu einer tatsächlichen Korrektur der Situation führen. Man muss dabei allerdings noch beachten, dass sich hierdurch nur das Wirksamkeitsdefizit behebt. Es gibt aber auch noch einige weiter Fragestellungen auf dem Weg zur Ausführung einer Aktion (also zum motivierten Handeln). Es könnten sich somit weitere Motivationsprobleme auf diesen höheren Ebenen ergeben.

Unabhängig davon erscheint mir aber der Aufbau einer positiven Grundhaltung zu schwierigen Aufgabenstellungen notwendig, so dass hier in jedem Fall Förderbedaf besteht. In der Praxis, muss ich gestehen, ist es aber genau diese Umsetzung, die mir massiv Schwierigkeiten bereitet. Aber daran arbeiten wir ja Wink

Zum Schluß sei noch angemerkt, dass mir meine Argumentation momentan schlüssig erscheint, aber genau so gut vollständiger Quatsch sein kann Wink

Ich habe eh' zu viel geschrieben. Ich hoffe, das schreckt nicht ab. Für weitere Kommentare wäre ich sehr dankbar...

Viele Grüße,
Rainer
rgerhards - 06.12.2006, 15:35 Uhr
Titel: Re: Ängstlichkeit / Erfolgserleben/Zwischenschritte
... und schon wieder ein Nachtrag - ich sollte den Thread einfach jedes Mal komplett lesen. Mir ist aufgefallen, dass sich als Fazit eigentlich genau das sagen lässt, was unsere Experten auf dem Elternabend sagten (nur, dass sie es viel verständlicher sagten...Wink). Es sei auf das Zitat ganz am Anfang der Diskussion verwiesen.

Trotzdem würden mich Gedanken über den Weg, wie ich dorthin gelangt bin, sehr interessieren.

Rainer
Alois - 06.12.2006, 16:09 Uhr
Titel: Falsche Wahrnehmung - Umlernen erworbener Gewohnheiten
Die subjektive Wahrnehmung zu korrigieren, soferne sie denn überhaupt als solche falsch sein kann, ist wohl viel schwieriger als unbedarft neues zu erleben, ähnlich wie Handlungsweisen, die umgelernt werden sollten, weil sie nicht der Norm entsprechen oder mit einem gewissen Leidensdruck verbunden sind. Es ergibt sich schnell die Frage, zu welchem Entwicklungszeitpunkt sich diese "Fehler" einschleichen und ob es eine besonders sensible Prägephase dafür gibt. Die Uhr läuft ständig und kann nicht einfach wieder auf Null zurückgestellt werden.
rgerhards - 06.12.2006, 16:42 Uhr
Titel: Re: Falsche Wahrnehmung - Umlernen erworbener Gewohnheiten
Alois hat folgendes geschrieben::
Die subjektive Wahrnehmung zu korrigieren, soferne sie denn überhaupt als solche falsch sein kann,


Nicht "falsch" - "das Leben (unnötig) erschwerend"

Alois hat folgendes geschrieben::
ist wohl viel schwieriger als unbedarft neues zu erleben, ähnlich wie Handlungsweisen, die umgelernt werden sollten, weil sie nicht der Norm entsprechen oder mit einem gewissen Leidensdruck verbunden sind.


Solcher Leidensdruck kann auch durch die "falsche" (s.o.) Wahrnehmung verursacht werden. Im Moment sehe ich kein anderes Mittel, als deren Korrektur. Mir ist klar, das das nicht einfach ist. Aber geht es anders? Gibt es (andere) Grundursachen?

Alois hat folgendes geschrieben::
Es ergibt sich schnell die Frage, zu welchem Entwicklungszeitpunkt sich diese "Fehler" einschleichen und ob es eine besonders sensible Prägephase dafür gibt. Die Uhr läuft ständig und kann nicht einfach wieder auf Null zurückgestellt werden.


Ich denke, das dürfte sehr, sehr früh beginnen. Voraussetzung dürfte sein, dass das Gehirn physisch zur (nicht unbedingt bewussten) Erinnerung fähig ist. Das ist es aber schon vor der Geburt - oder irre ich da?

Mir wird auch so langsam klar, warum die Psychologen so sehr auf frühkindliche Erlebnisse achten...
Eckerle - 16.01.2008, 10:09 Uhr
Titel: Re: Falsche Wahrnehmung - Umlernen erworbener Gewohnheiten
Hallo, miteinander,

der letzte Beitrag bringt mich dazu, darauf hinzuweisen, dass Erkenntnisse der modernen Neuro-Biologie zeigen, in welch großem Ausmaß das (subjektive) Erleben von Erfolg von der passenden Aufgabenschwierigkeit abhängt.
Insofern liegt die "Wurzel allen Übels" tatsächlich in der Unterforderung, die bei HB regelhaft in der Schule beginnt und für alle, die sie erleiden müssen, ein Risiko für die weitere Entwicklung darstelt. Glücklicherweise gelingt es der großen Mehrheit, dieses Risiko zu kompensieren. Oft sieht diese Kompensation im Verhalten aber viel erfolgreicher aus, als sie vom Persönlichkeits-Test her tatsächlich gelingt.

Viele Grüße,
Thomas Eckerle
traeumer86 - 08.03.2008, 19:21 Uhr
Titel: Re: Falsche Wahrnehmung - Umlernen erworbener Gewohnheiten
Hallo.

Ich bin auf diese Seite gestoßen, da ich weiß, dass ein riesiger Unterschied zwischen meiner subjektiven Wahrnehmung und der subjektiven Wahrnehmung "der anderen" besteht. Ich bin also einer von denjenigen, die leider "hochbegabt" sind, und sich selbst durch frühe Falsch-wahrnehmung bis heute (21 jahre) das leben vermiesen. Und dazu kommt, dass mir zwar alles bewusst ist, ich aber keine Ahnung habe, wie ich das ändern könnte. Ich verstehe - das nehme ich jedenfalls subjektiv so wahr - meist eine Vielzahl der (ob bewussten oder unbewussten) nonverbalen Aussagen meiner "Gesprächspartner" und nehme fast immer eine mehr oder weniger starke negative Hinterabsicht wahr. Natürlich könnte ich auch alle falsch verstehen, oder mir - wie immer (WIRKLICH IMMER) - vielzuviele Gedanken machen.
Und obwohl mir das bewusst ist, und ich mir ständig versuche einzureden, dass die das zwar meinen, aber nicht sagen wollten (unterbewusst tun sie es ja), hat es trotzdem eine Wirkung, wie als wenn ich mir das nicht einreden würde. Also obwohl ich mich selber verstehe (leider kenne ich mein Schlüsselerlebnis noch nicht), konnte ich selbst bis jetzt nicht "über meinen eigenen Schatten springen".
Ich bin (laut Arzt) schwerstens depressiv und lese HIER ZUM ERSTEN MAL das, was mir über mich im Kopf rumschwirrt und wollte Ihnen allen die Richtigkeit Ihrer Aussagen bestätigen, da es bei mir ja so ziemlich der Fall ist. Sie diskutieren hier zwar über Kinder, die diese Probleme haben, dennoch trifft der ganze Kram auf mich zu. Es fällt mir unheimlich schwer, Selbstdisziplin zu beweisen, da selbst bei stärkstem Wunsch irgendwann der Misserfolg der letzten Zeit in meinen Geist wandert und mich praktisch lähmt. Ich muss aktiv an etwas anderes denken, um mich da herauszuwinden. Mittlerweile erkenne ich diese Situationen recht schnell und kann früher aktiv werden.
Was meint ihr?

Liebe Grüße
Christian Schulte
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